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Bundesgerichtshof, Empfangsgebäude Karlsruhe
Foto: Nikolay Kazakov · Bundesgerichtshof · Pressefoto BGH
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Verfahrensrecht

Zustellung vor dem Versteigerungstermin

Der Bundesgerichtshof hat aktuell entschieden, dass ein Zuschlag zu versagen sein kann, wenn Fortsetzungsbeschluss und Terminsbestimmung nicht ordnungsgemäß zugestellt wurden.

Von Adwokat Radoslaw Godzieba2 Min. Lesezeit

Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 7. Oktober 2010 im Verfahren V ZB 37/10 über Zustellungsmängel in einem Zwangsversteigerungsverfahren entschieden. Nach einer einstweiligen Einstellung wurde das Verfahren fortgesetzt und ein neuer Versteigerungstermin bestimmt. Der Schuldner war zwischenzeitlich umgezogen; Fortsetzungsbeschluss und Terminsbestimmung wurden ihm nicht wirksam vier Wochen vor dem Termin zugestellt. Gleichwohl wurde später der Zuschlag erteilt.

Vierwochenfrist schützt die Beteiligten

Der BGH stellte klar, dass § 43 Abs. 2 ZVG zwingende Bedeutung hat. Nach einer einstweiligen Einstellung muss dem Schuldner der Fortsetzungsbeschluss zugestellt werden, weil auf seiner Grundlage die Versteigerung weiterbetrieben wird. Außerdem muss ihm die Terminsbestimmung rechtzeitig zugehen. Fehlt es daran, liegt ein Zuschlagsversagungsgrund nach § 83 Nr. 1 ZVG vor.

Das Beschwerdegericht durfte dem Schuldner nicht allein deshalb Rechtsmissbrauch entgegenhalten, weil er während des laufenden Verfahrens umgezogen war und keine neue Anschrift mitgeteilt hatte. Ein solcher Umstand kann für sich genommen nicht die Annahme tragen, der Beteiligte habe Zustellungen arglistig verhindern wollen.

Allein aus einem Umzug ohne Mitteilung einer neuen Anschrift kann nicht geschlossen werden, dass Zustellungen arglistig verhindert werden sollen.

Auch Rechte weiterer Beteiligter sind zu beachten

Im Verfahren V ZB 37/10 spielte außerdem ein Wohnungsrecht eine Rolle, das zugunsten eines weiteren Beteiligten im Grundbuch eingetragen war. Der BGH sah auch insoweit einen erheblichen Verfahrensmangel. Das zeigt, dass Vollstreckungsgerichte bei der Beteiligtenstellung und bei rechtzeitig angemeldeten oder aus dem Grundbuch ersichtlichen Rechten sorgfältig prüfen müssen, wer im Verfahren zu berücksichtigen ist.

Der Zuschlag wurde versagt. Die Entscheidung verdeutlicht, dass formelle Anforderungen im Zwangsversteigerungsverfahren nicht bloße Förmelei sind, sondern die Beteiligten in die Lage versetzen sollen, ihre Rechte vor dem Termin sachgerecht wahrzunehmen.

Bedeutung für die Praxis

Die Entscheidung ist für Schuldner, Gläubiger, Ersteher und Inhaber grundbuchlicher Rechte bedeutsam. Praktisch wichtig sind insbesondere:

  • Fortsetzungsbeschluss und Terminsbestimmung müssen rechtzeitig zugestellt werden.
  • Ein Umzug allein begründet noch keine arglistige Zustellungsverhinderung.
  • Zustellungsmängel können zur Versagung des Zuschlags führen.
  • Grundbuchrechte und Beteiligtenstellung müssen vor dem Termin sorgfältig geprüft werden.

Die Kanzlei ordnet den Beschluss als wichtige Klarstellung zur Verfahrenssicherheit und zum Schutz rechtlichen Gehörs im Zwangsversteigerungsverfahren ein.

ZustellungZuschlag43 ZVGWohnungsrecht

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