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Bundesgerichtshof, Empfangsgebäude Karlsruhe
Foto: Nikolay Kazakov · Bundesgerichtshof · Pressefoto BGH
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Verfahrensrecht

Zustellung an Bevollmächtigten in der Zwangsverwaltung

Der Bundesgerichtshof hat aktuell entschieden, dass Zustellungen an einen unzulässig auftretenden Bevollmächtigten auch im Zwangsverwaltungsverfahren wirksam bleiben können.

Von Adwokat Radoslaw Godzieba2 Min. Lesezeit

Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 15. April 2010 im Verfahren V ZB 121/09 über Zustellungen in einem Zwangsverwaltungsverfahren entschieden. Die Schuldnerin begehrte die Aufhebung des gesamten Verfahrens, weil Vollstreckungstitel an einen Bevollmächtigten zugestellt worden waren, dessen Auftreten nach damaligem Rechtsberatungsgesetz beanstandet wurde. Das Vollstreckungsgericht hatte das Verfahren zunächst zur Nachholung ordnungsgemäßer Zustellungen einstweilen eingestellt, eine vollständige Aufhebung aber abgelehnt.

Keine automatische Unwirksamkeit früherer Zustellungen

Der BGH bestätigte, dass ein Verstoß gegen das frühere Rechtsberatungsgesetz nicht ohne Weiteres zur Unwirksamkeit bereits bewirkter Zustellungen führt. Entscheidend ist, dass ein gerichtlicher Ausschluss des Bevollmächtigten grundsätzlich nur für die Zukunft wirkt. Bereits vorgenommene Prozesshandlungen und Zustellungen bleiben bis zu einer solchen Zurückweisung wirksam.

Für das Verfahren V ZB 121/09 verwies der Senat auf seine am selben Tag ergangene Entscheidung V ZB 122/09 zur Zwangsversteigerung. Die dort entwickelten Grundsätze gelten entsprechend für die Zwangsverwaltung.

Ein gegen das Rechtsberatungsgesetz verstoßender Bevollmächtigter führt nicht automatisch zur Unwirksamkeit bereits erfolgter Zustellungen.

Aufhebung nur bei nicht behebbaren Mängeln

Die Voraussetzungen für eine Aufhebung des Zwangsverwaltungsverfahrens lagen nach Auffassung des BGH nicht vor. § 161 Abs. 4 in Verbindung mit § 28 Abs. 2 ZVG setzt einen Vollstreckungsmangel voraus, der die Fortführung des Verfahrens hindert. Ein solcher Mangel bestand hier nicht, weil die Zustellungen an den Bevollmächtigten wirksam waren.

Damit durfte das Verfahren nicht allein wegen der später problematisierten Bevollmächtigung insgesamt aufgehoben werden. Die Entscheidung stärkt die Verfahrenssicherheit, ohne auszuschließen, dass ein unzulässig auftretender Bevollmächtigter für die Zukunft zurückgewiesen werden kann.

Bedeutung für die Praxis

Die Entscheidung ist für Schuldner, Gläubiger, Zwangsverwalter und Vollstreckungsgerichte bedeutsam. Praktisch wichtig sind insbesondere:

  • Frühere Zustellungen bleiben grundsätzlich wirksam, bis ein Bevollmächtigter durch das Gericht zurückgewiesen wird.
  • Die Aufhebung einer Zwangsverwaltung verlangt einen erheblichen Vollstreckungsmangel.
  • Fehler bei der Vertretungsbefugnis wirken nicht automatisch rückwirkend auf das gesamte Verfahren.
  • Einwendungen gegen Zustellungen sollten konkret darlegen, welche Verfahrensrechte beeinträchtigt wurden.

Die Kanzlei ordnet den Beschluss als wichtige Klarstellung zur Zustellungssicherheit und zur Fortführung von Zwangsverwaltungsverfahren ein.

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