ZWANGSVERSTEIGERUNGSANWALT.DE

Bundesgerichtshof, Empfangsgebäude Karlsruhe
Foto: Nikolay Kazakov · Bundesgerichtshof · Pressefoto BGH
Zurück zu den Beiträgen

Verfahrensrecht

Postfach statt Zustellungsvertreter im ZVG

Der Bundesgerichtshof hat aktuell entschieden, dass ein bekannter Postfachanschluss im Zwangsversteigerungsverfahren die Bestellung eines Zustellungsvertreters ausschließen kann.

Von Adwokat Radoslaw Godzieba2 Min. Lesezeit

Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 14. Juni 2012 im Verfahren V ZB 182/11 über Zustellungen in einem Zwangsversteigerungsverfahren entschieden. Der Schuldner war ohne festen Wohnsitz, unterhielt aber ein dem Gericht bekanntes Postfach. Gleichwohl stellte das Vollstreckungsgericht Terminsbestimmung und Zuschlagsbeschluss an eine Zustellungsvertreterin zu. Der Schuldner griff den Zuschlag später mit der Begründung an, sein Postfach sei bekannt gewesen.

Postfach als Zustellungsmöglichkeit

Der BGH bestätigte, dass die Zuschlagsbeschwerde zulässig und begründet war. Ein Zustellungsvertreter darf nach §§ 6, 7 ZVG nur bestellt beziehungsweise weiter genutzt werden, wenn dem Gericht der Aufenthalt des Zustellungsempfängers nicht bekannt ist oder eine öffentliche Zustellung in Betracht kommt. Ist dem Vollstreckungsgericht jedoch eine Postfachadresse bekannt, steht dies der Bestellung eines Zustellungsvertreters entgegen.

Der Senat ordnete ein Postfach jedenfalls dann als ähnliche Vorrichtung im Sinne von § 180 Satz 1 ZPO ein, wenn eine Wohnanschrift unbekannt oder nicht vorhanden ist. Damit kann eine Ersatzzustellung über das Postfach möglich sein.

Ein Zustellungsvertreter darf nicht bestellt werden, wenn dem Vollstreckungsgericht die Postfachadresse desjenigen, dem zugestellt werden soll, bekannt ist.

Unwirksame Zustellung und Zuschlagsbeschwerde

Im Verfahren V ZB 182/11 waren die Zustellungen an die Zustellungsvertreterin unwirksam. Das betraf nicht nur den Zuschlagsbeschluss, sondern auch die Terminsbestimmung. Weil dem Schuldner der Versteigerungstermin nicht ordnungsgemäß rechtzeitig zugestellt worden war, lag ein beachtlicher Verfahrensfehler vor. Der Zuschlagsbeschluss wurde aufgehoben.

Die Entscheidung zeigt, dass Zustellungsvorschriften im ZVG keine bloßen Förmlichkeiten sind. Sie sichern die Möglichkeit des Schuldners, vom Verfahren Kenntnis zu nehmen und Rechte rechtzeitig wahrzunehmen.

Bedeutung für die Praxis

Die Entscheidung ist für Schuldner, Gläubiger, Ersteher und Vollstreckungsgerichte bedeutsam. Praktisch wichtig sind insbesondere:

  • Ein bekanntes Postfach kann eine wirksame Zustellung ermöglichen.
  • Die Bestellung eines Zustellungsvertreters ist ausgeschlossen, wenn eine solche Zustelladresse bekannt ist.
  • Zustellungen an einen zu Unrecht bestellten Zustellungsvertreter sind unwirksam.
  • Fehler bei der Zustellung der Terminsbestimmung können zur Aufhebung des Zuschlags führen.

Die Kanzlei ordnet den Beschluss als wichtige Klarstellung zur Zustellungssicherheit und zum Schuldnerschutz im Zwangsversteigerungsverfahren ein.

ZustellungPostfachZuschlagZVG

Sie sind selbst von einer Zwangsversteigerung betroffen?

Wir prüfen Ihren Fall in einer kostenfreien und unverbindlichen Erstberatung — bundesweit, telefonisch oder per Video.