ZWANGSVERSTEIGERUNGSANWALT.DE

Bundesgerichtshof, Empfangsgebäude Karlsruhe
Foto: Nikolay Kazakov · Bundesgerichtshof · Pressefoto BGH
Zurück zu den Beiträgen

Materielles Recht

Insolvenzfester Löschungsanspruch bei Grundschuld

Der Bundesgerichtshof hat aktuell entschieden, dass der gesetzliche Löschungsanspruch nach § 1179a BGB insolvenzfest sein kann und auch im Verteilungsverfahren Bedeutung hat.

Von Adwokat Radoslaw Godzieba2 Min. Lesezeit

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 27. April 2012 im Verfahren V ZR 270/10 über die Verteilung eines Versteigerungserlöses nach Insolvenz des Grundstückseigentümers entschieden. Eine Sparkasse war nachrangige Grundschuldgläubigerin. Ein vorrangiges Grundpfandrecht einer anderen Bank valutierte nicht mehr; nach der Zwangsversteigerung verzichtete die vorrangige Gläubigerin auf ihr Recht. Der auf dieses Recht entfallende Erlösanteil wurde zunächst an den Insolvenzverwalter ausgekehrt.

Löschungsanspruch nach § 1179a BGB

Der BGH entschied, dass die nachrangige Grundschuldgläubigerin den ausgekehrten Betrag vom Insolvenzverwalter herausverlangen konnte. Maßgeblich war der gesetzliche Anspruch aus § 1179a Abs. 1 Satz 1 BGB, der nach der aktuellen Entscheidung insolvenzfest ist. Der Senat gab damit seine frühere Rechtsprechung ausdrücklich auf.

Der Anspruch schützt nachrangige Grundpfandgläubiger, wenn ein vorrangiges oder gleichrangiges Recht nicht mehr valutiert und deshalb wirtschaftlich frei geworden ist. In der Insolvenz des Eigentümers kann dieser Schutz dazu führen, dass der entsprechende Erlösanteil nicht der Masse verbleibt, sondern dem gesicherten nachrangigen Gläubiger zusteht.

Der Anspruch aus § 1179a Abs. 1 Satz 1 BGB ist insolvenzfest.

Verzicht erst im Verteilungsverfahren

Im Verfahren V ZR 270/10 war besonders wichtig, dass der Verzicht auf das vorrangige Grundpfandrecht erst nach der Versteigerung im Verteilungsverfahren erklärt wurde. Auch in dieser Konstellation sah der BGH den Anspruch mit den Wirkungen des § 1179a Abs. 1 Satz 3 BGB als gegeben an. Entscheidend war die wertende Betrachtung der dinglichen Sicherungsposition.

Die Entscheidung stärkt damit die Rechtsposition nachrangiger Grundpfandgläubiger. Zugleich zeigt sie, dass die Behandlung nicht mehr valutierender Grundpfandrechte im Verteilungsverfahren sorgfältig geprüft werden muss, insbesondere wenn ein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Eigentümers eröffnet ist.

Bedeutung für die Praxis

Die Entscheidung ist für Banken, Insolvenzverwalter, Grundpfandgläubiger und Beteiligte an Zwangsversteigerungen bedeutsam. Praktisch wichtig sind insbesondere:

  • Der gesetzliche Löschungsanspruch nach § 1179a BGB kann insolvenzfest sein.
  • Nachrangige Grundpfandgläubiger können durch nicht mehr valutierende vorrangige Rechte begünstigt werden.
  • Ein Verzicht im Verteilungsverfahren kann für die Erlöszuordnung entscheidend sein.
  • Teilungsplan, Rückgewähransprüche und Grundschuldvalutierung müssen gemeinsam geprüft werden.

Die Kanzlei ordnet das Urteil als wichtige Klarstellung zur Erlösverteilung bei nicht mehr valutierenden Grundpfandrechten in Insolvenz und Zwangsversteigerung ein.

GrundschuldInsolvenz1179a BGBErlosverteilung

Sie sind selbst von einer Zwangsversteigerung betroffen?

Wir prüfen Ihren Fall in einer kostenfreien und unverbindlichen Erstberatung — bundesweit, telefonisch oder per Video.