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Bundesgerichtshof, Empfangsgebäude Karlsruhe
Foto: Nikolay Kazakov · Bundesgerichtshof · Pressefoto BGH
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Verfahrensrecht

Hinterlegter Übererlös nach Teilungsversteigerung

Der Bundesgerichtshof hat aktuell entschieden, dass sich die Bruchteilsgemeinschaft nach Hinterlegung des Übererlöses an der Forderung gegen die Hinterlegungsstelle fortsetzt.

Von Adwokat Radoslaw Godzieba2 Min. Lesezeit

Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 22. Februar 2017 im Verfahren XII ZB 137/16 über die Verteilung eines hinterlegten Erlöses nach einer Teilungsversteigerung entschieden. Die früheren Ehegatten waren je zur Hälfte Miteigentümer eines Familienheims. Nach der Teilungsversteigerung konnte im Verteilungstermin keine Einigung über den verbleibenden Übererlös erzielt werden, sodass das Vollstreckungsgericht den Betrag bei der Hinterlegungsstelle hinterlegte.

Bruchteilsgemeinschaft endet nicht durch Hinterlegung

Der BGH stellt klar, dass die bloße Hinterlegung des Übererlöses nach § 117 Abs. 2 Satz 3 ZVG die Bruchteilsgemeinschaft noch nicht aufhebt. Vielmehr setzt sich die Gemeinschaft an der Forderung gegen die Hinterlegungsstelle fort. Jeder Teilhaber kann daher grundsätzlich verlangen, dass der andere in die Auszahlung des auf ihn entfallenden Anteils einwilligt.

Damit gibt der Senat seine frühere Rechtsprechung teilweise auf. Entscheidend ist nicht allein, dass das Grundstück durch Zuschlag verwertet wurde, sondern dass die Erlösverteilung zwischen den Teilhabern noch nicht abgeschlossen ist.

Wird der Übererlös aus der Zwangsversteigerung hinterlegt, setzt sich die Bruchteilsgemeinschaft an der Forderung gegen die Hinterlegungsstelle fort.

Keine Blockade durch gemeinschaftsfremde Forderungen

Der frühere Miteigentümer wollte der Auszahlung unter anderem Ansprüche auf Zugewinnausgleich, Nutzungsvergütung und weitere familienrechtliche Forderungen entgegenhalten. Der BGH verneinte ein Zurückbehaltungsrecht aus solchen gemeinschaftsfremden Forderungen.

Dem Anspruch auf Aufhebung der Bruchteilsgemeinschaft können grundsätzlich nur solche Einwendungen entgegenstehen, die in der Gemeinschaft selbst wurzeln. Andernfalls könnte ein Teilhaber die endgültige Auseinandersetzung des Versteigerungserlöses durch sonstige Streitigkeiten blockieren. Familienrechtliche oder sonstige persönliche Forderungen sind daher gesondert zu klären.

Bedeutung für die Praxis

Die Entscheidung ist für Teilungsversteigerungen zwischen Miteigentümern und insbesondere zwischen getrennten oder geschiedenen Ehegatten bedeutsam. Praktisch wichtig sind insbesondere:

  • Die Hinterlegung des Übererlöses beendet die Bruchteilsgemeinschaft nicht automatisch.
  • Jeder Teilhaber kann regelmäßig Einwilligung in die Auszahlung seines Anteils verlangen.
  • Gemeinschaftsfremde Forderungen hindern die Erlösauseinandersetzung grundsätzlich nicht.
  • Streit über Zugewinn, Nutzungsvergütung oder Unterhalt ist gesondert zu führen.

Die Kanzlei ordnet den Beschluss als wichtige Klarstellung zur Erlösverteilung nach Teilungsversteigerung und zur Trennung gemeinschaftsbezogener von sonstigen Ansprüchen ein.

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